PLMA E-Scanner – November 2017

November, 2017
Kräftiges Wachstum für Marken von Tesco

Der größte britische Lebensmittelhändler verbuchte rasant steigende Handelsmarkenumsätze. Wie Tesco verlauten ließ, ist der Eigenmarkenumsatz im Jahresvergleich um 4,6 % gewachsen. Der Anteil von Handelsmarken am Umsatz beträgt damit fast 50 %.

Befördert wurde das Wachstum von der Entwicklung erfolgreicher neuer Produkte. In der ersten Jahreshälfte lancierte Tesco 807 neue Produktlinien. Im Lebensmittelbereich gehören dazu Mini-Avocados, Gemüse in lustigen Formen für Kinder und Bier aus örtlicher Erzeugung. Im Nonfood-Bereich führte Tesco zwei neue Handelsmarken ein: die aus Küchenartikeln bestehende Reihe „Go Cook“ (Messer, Utensilien und Kochgeschirr) und die Reihe „Fox & Ivy“ (Haushaltswaren).

Nach Berichten von Retail Week könnte Tesco durch den Erfolg seiner Einstiegsmarke „Farm“ zu weiteren Investitionen im Handelsmarkenbereich ermutigt worden sein. Die sieben Marken in den Kategorien Frischobst, Gemüse, Fleisch und Geflügel brachte das Unternehmen 2016 auf den Markt, um im Wettbewerb mit Discountern besser bestehen zu können. Inzwischen landen sie bei 70 % der Kunden im Einkaufswagen.

Außerdem nahm Tesco wesentliche Veränderungen in der Zusammenarbeit mit seinen 8.000 Herstellern in Angriff. Demnach strebt das Unternehmen laut The Grocer nun den Aufbau langfristigerer Beziehungen an und will größere Volumen umsetzen. Nach Angaben des CEO Dave Lewis konnten 95 der Hersteller ihr Umsatzvolumen bei Tesco im Jahr bis Mai 2017 um mehr als 100 % steigern. Weitere 185 Hersteller verbuchten eine Volumensteigerung von mehr als 50 %, und bei weiteren 330 erhöhte sich das Volumen der an Tesco verkauften Waren um mindestens 25 %.

Eine Zeit lang hätte die Verhandlungsstrategie von Tesco darin bestanden, mit immer mehr Herstellern zusammenzuarbeiten und das Volumen auf der Basis geschäftlicher Verhandlungen zu ändern, erklärte Dave Lewis. Mit seinem Eintritt in das Unternehmen wurde das geändert, so Lewis. Tesco strebt nun die längerfristige Zusammenarbeit mit einer kleineren Zahl von Herstellern an mit dem Ziel, das Geschäft gemeinsam zu verbessern. Dies gelte sowohl für kleine als auch große Hersteller, stellte Lewis fest.

Amazon geht einkaufen

Berichten zufolge will Amazon Vertriebspartnerschaften mit französischen Lebensmittelhändlern vereinbaren und kontaktiert aus diesem Grunde verschiedene potenzielle Partner. Auch mögliche Übernahmen sind im Gespräch. Demnach ist Amazon bereits an Leclerc, Casino, Intermarche und System U herangetreten.

E.Leclerc-Chef Michel-Edouard Leclerc bestätigte gegenüber Reuters die Kontaktaufnahme seitens Amazon. „Amazon könnte unser Logistikpartner werden – warum nicht“, so Leclerc.

Nach einem Bericht von „Le Monde“ ging es Amazon bei Casino um die Vertriebslinie Monoprix, doch Casino lehnte es ab, die Angelegenheit zu verfolgen. „Le Monde“ meldete, dass Casino nicht die Absicht hätte, Monoprix zu verkaufen, und berief sich dabei auf Quellen bei Casino.

Ebenfalls „Le Monde“ zufolge kontaktierte Amazon in diesem Jahr Intermarche und Systeme U. Vor einiger Zeit gab es bereits Berichte, denen zufolge Amazon an Carrefour interessiert sei. Carrefour seinerseits wollte die Marktgerüchte nicht kommentieren.

Online-Wachstum bei dm

Die deutsche Drogeriekette dm verbuchte einen Anstieg des Online-Umsatzes um mehr als 80 %. Etwa 1.500 Artikel sind nun ausschließlich online erhältlich und können ins Haus geliefert oder in ausgewählten dm-Märkten abgeholt werden. Auch in China werden Handelsmarken online angeboten. Im letzten Jahr machte der Händler erhebliche Fortschritte im Bereich Digitalisierung. Mehr als 20 Millionen Euro investierte dm bereits in seine IT-Tochter.

Im letzten Finanzjahr wurden insgesamt 90 Märkte neu- und nach Umbau wiedereröffnet. Im Heimatmarkt Deutschland stieg die Zahl der Standorte um 67 auf 1.892 Märkte an. Im kommenden Jahr will das Unternehmen mehr als 350 Millionen Euro in bestehende und neue Standorte, eine neue Zentrale in Karlsruhe und ein neues Distributionszentrum in Wustermark investieren.

Kunden suchen online nach Angeboten

Kunden in ganz Europa holen sich immer öfter Informationen zu Produkten, Angeboten und Preisen über ihre Smartphones. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungsunternehmens IRI unter mehr als 2.800 europäischen Verbrauchern. Demnach nutzt mehr als ein Drittel der Befragten eine mobile Anwendung, um Informationen zu Produkten und die besten Angebote zu suchen. Davon gaben zwei Drittel an, durch ihre Suche Geld sparen zu wollen. Mehr als ein Drittel nutzt das Internet zur Suche nach In-Store-Promotions und Angeboten, während 22 % sich über Tagesangebote in den Geschäften informieren.

Carrefour lanciert nachhaltige Marke

Mit „Filiera Qualita“ bracht Carrefour Italia eine Marke mit Produkten auf den Markt, deren Hersteller ihre Unternehmen nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit führen. Dazu gehören der Schutz von Tieren auf der Liste der bedrohten Arten, die Aufzucht ohne Antibiotika, die Gewährleistung des Wohls der Tiere, der Schutz der Biodiversität und die Qualität des Arbeitsumfelds.

Außerdem lancierte Carrefour in Frankreich eine Online-Plattform namens „Merci Voisin“ (Danke, Nachbar). Hier können Kunden sich ihre Online-Bestellungen für eine kleine Gebühr von anderen Kunden ins Haus liefern lassen.

Auchan wählt gesunde Produkte

Auchan Italia startete eine Informationskampagne mit dem Titel „La Vita In Blu“, die Verbrauchern helfen soll, sich für gesündere Nahrungsmittel zu entscheiden. Das Programm basiert nach Angaben des Händlers auf dem Feedback von Verbrauchern und wurde in Zusammenarbeit mit Medizinern und Wissenschaftlern in Italien entwickelt. Auchan evaluierte im Rahmen der Kampagne mehr als 100.000 Produkte. In jeder Kategorie wurden Artikel mit der besten Nährstoffbilanz (Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien) ausgewählt, die außerdem nur einen bestimmten Anteil an Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren aufweisen. Mindestens alle sechs Monate wird die Produktauswahl aktualisiert.

Die Initiative von Auchan löste in Italien Kontroversen aus. Vom Verband Federalimentare, der die italienische Lebensmittelbranche vertritt, wurde sie beispielsweise als ein vollkommen willkürliches System zur Lebensmittelbewertung beschrieben. Giorgio Calabrese, der Vorsitzende des Ausschusses für Lebensmittelsicherheit des italienischen Gesundheitsministeriums, gab zu bedenken, dass viele Produkte der mediterranen Ernährung nicht in der Auswahl von Auchan berücksichtigt werden.

Waitrose erweitert Angebot vegetarischer Produkte

Waitrose nimmt in Großbritannien 30 neue Gerichte in das Sortiment aus fleischlosen Produkten auf und vergrößert die Ladenfläche für vegetarische Lebensmittel um etwa 35 %. Das Angebot umfasst Gemüsegerichte wie Blumenkohl-Käse-Kroketten, Rote-Beete-Burger und einen Regenbogen-Gemüseeintopf. Elf neue Produkte eignen sich außerdem für Veganer, darunter ein milchfreier Streichkäse, veganes gezupftes Schweinefleisch und von Hand gemachter Tofu.

Bestandteil des erweiterten Waitrose-Angebots ist darüber hinaus eine exklusive Co-Branding-Initiative mit „The Vegetarian Butcher“. Hier wird Soyaeiweiß als Alternative zu Fleisch verwendet. Das niederländische Unternehmen entwickelte in Partnerschaft mit Waitrose eine Reihe mit Fertiggerichten, darunter Tikka Masala, Lasagne und grünes Thai-Curry. Alle ähneln den Fleischvarianten des Händlers, sind jedoch für Vegetarier geeignet.

Handelsmarken in Australien im Aufwind

Mit zunehmender Zahl von Produkten im Premium-Segment wird sich das Wachstum der Handelsmarkenumsätze in Australien nach der Prognose von IRI fortsetzen. Das Marktforschungsunternehmen gab an, dass der Anteil von Einzelhandelsmarken am Gesamt-Dollarumsatz aller australischen FMCG-Produkten 18 % beträgt. Das Wachstum übertrifft inzwischen das der nationaler Marken. Das Dollarwachstum der Handelsmarken in Höhe von 3,9 % entsprach einem Umsatzplus von 662 Millionen Dollar, im Vergleich zu gerade einmal 2,2 % Wachstum für nationale Marken.

In den Läden 

Mit der neuen Marke „Eco Active“ lanciert Tesco eine Reihe mit umweltfreundlichen Produkten zur Haushaltsreinigung. Darüber hinaus bringt das Unternehmen Premium-Küchenartikel der Marke „Go Cook“ auf den Markt.

Carrefour verbuchte im letzten Quartal starke Umsatzzuwächse in Polen und Rumänien.

E. Leclerc erweitert sein Sortiment um eine Premium-Lebensmittelreihe der Marke „L’origine du goût“.

Coop Italia lancierte in diesem Jahr 200 Produkte und bringt neue Produktreihen auf den Markt, darunter „Amici Speciali“, „Origine“, „Casa“, „Io“ und „D’Osa“.

In Belgien baute Delhaize das Angebot an vegetarischen Produkten aus. Von den inzwischen circa 100 vegetarischen Produkten sind etwa 30 rein vegan und 30 aus ökologischer Erzeugung.

Continente in Portugal ließ verlauten, dass 96 % seiner Kunden in diesem Jahr ein Handelsmarkenprodukt gekauft haben.

Aldi Nord und Aldi Süd bieten Geschenkkarten an, die in allen Aldi-Filialen in Deutschland eingelöst werden können.

Waitrose in Großbritannien verlängert den Testlauf seines Kochbox-Service „Cook Well“.

Migros bringt Babynahrung aus biologischem Anbau unter der Marke „Mibébé“ auf den Markt. Alle 27 Artikel werden entweder in der Schweiz oder in Deutschland hergestellt.

Spar UK nahm eine Reihe mit 17 Weinen ins Angebot auf, die Anfang nächsten Jahres um regionale Weine erweitert werden soll.

Mit „Kefir Natur“ lancierte Spar Österreich ein neues Milchgetränk, das jetzt in allen Spar-, Eurospar- und Interspar-Filialen erhältlich ist.

Coop Schweiz erweiterte das Angebot seiner Marke „Fine Food“ um drei neue Gewürze für Rindfleisch-, Lamm- und Fischgerichte.

DIA will in diesem Jahr 600 Filialen in Spanien umbauen.

In Polen verbuchte Biedronka in den ersten neun Monaten des Jahres einen Anstieg von 13 %. Hier wurden 46 neue Geschäfte eröffnet und 150 umgebaut.

Das norwegische Unternehmen Reitangruppen will in Dänemark etwa 55 Convenience-Geschäfte der Vertriebslinie 7-Eleven eröffnen.

ICA Gruppen erwägt den Verkauf von 17 Rimi-Filialen in Litauen, um die Genehmigung zur Übernahme von UAB Palink, dem Betreiber der Einzelhandelsgruppe IKI, zu erhalten.

Der niederländische Einzelhändler Jumbo lancierte die Reihe „Veggie Chef“, die 21 vegetarische und 19 vegane Produkte umfasst.

Auchan richtet in Frankreich einen Click-and-Collect-Service ein. In einer Einrichtung mit 250 temperaturgeregelten Schließfächern können Kunden ihre Online-Lebensmittelbestellungen abholen.

Prisma, ein zur finnischen SOK Group gehörender estnischer Einzelhändler, begann mit dem Verkauf von etwa 200 Handelsmarkenprodukten von Tesco.

Lidl kündigte den Bau seines größten Distributionszentrums in Großbritannien an.

In Italien bringt Eurospin eine Reihe mit Bio-Produkten der Marke „Amo Essere Biologico“ (Ich bin gern biologisch) auf den Markt.

Auchan will im nächsten Jahr mit einem neuen Hypermarktformat an den Start gehen. Außerdem soll das Format Auchan Minute, das mit dem Unternehmen nun in China vertreten ist, auf andere Länder ausgeweitet werden.

Edeka investiert in diesem Jahr 1,9 Mrd. Euro in seine Standorte in Deutschland.

Neben 200 Märkten in anderen Ländern will Rewe Group in Deutschland 250 Rewe- und Penny-Filialen eröffnen.

Coop Sicilia und Coop Eridana schließen sich im kommenden Jahr der italienischen Konsumgenossenschaft Coop Alleanza 3.0 an, die mehr als 400 Filialen in 12 Regionen betreibt.

Bei Kesko in Finnland erhöhten sich Umsatz und Rentabilität des Lebensmittelgeschäfts, mit guten Ergebnissen in allen Lebensmittel-Vertriebslinien.

Spar betreibt inzwischen mehr als 30 Märkte in neun Städten in Albanien.

Die X5 Retail Group in Russland will ihre Convenience-Geschäfte der Vertriebslinie Perekrestok Express in Moskau abstoßen.

Die portugiesische Discounterkette Minipreço, die zum spanischen Unternehmen Dia gehört, lancierte eine App, die als digitale Version der Treuekarte für die Kunden des Supermarkts fungiert.

Marktforschung 
Verbraucher ernähren sich gesünder

Mehr als zwei Drittel der Kunden in Europa entscheiden sich nach einer Umfrage von IRI beim Einkauf für gesündere Lebensmittel mit weniger Salz, Zucker oder Fett. Ein großer Teil der Verbraucher kauft außerdem vegetarische, Bio- und Free-From-Lebensmittel, was den Schluss zulässt, dass viele mehr auf ihre Gesundheit achten.

Die Umfrage wurde unter 2.600 Verbrauchern in Italien, Griechenland, Spanien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden durchgeführt. Beim Konsum von Bio-Produkten war Deutschland Spitzenreiter. Hier gaben 67 % der Verbraucher an, dass sie ökologische Erzeugnisse kaufen.

Auch die Zahl der Käufer vegetarischer Produkte ist in der Region gestiegen. Laut IRI kaufen 39 % der europäischen Verbraucher vegetarische Lebensmittel. Das entspricht einem Anstieg von 26 % in den letzten drei Jahren. Am ehesten werden vegetarische Lebensmittel von spanischen Verbrauchern gekauft. Hier gaben 44 % der Befragten an, sich beim Einkauf für fleischlose Artikel zu entscheiden.

Ein weiterer Bereich, in dem die Nachfrage in den letzten drei Jahren stieg, ist die Free-From-Kategorie: 33 % der Verbraucher kaufen laktosefreie, hefefreie oder glutenfreie Produkte. Diese Produkte werden von mehr als der Hälfte der spanischen Verbraucher gekauft.

Vegetarier kaufen Tiefkühlwaren

Die vegane und vegetarische Bewegung kommt Tiefkühlwaren zu Hilfe. In Italien kletterte der Umsatz von Tiefkühlgemüse in den ersten acht Monaten des Jahres 2017 um 4,1 %. Dies berichtete das Istituto Italiano Alimenti Surgelati (IIAS). Demnach waren die Gewinnsteigerungen auch auf den Trend zu Bio-Produkten und die starke Nachfrage nach vegetarischen und veganen Produkten zurückzuführen. Die Beliebtheit von Gemüse trug zum Wachstum der Kategorie Tiefkühlwaren insgesamt bei, die in diesem Jahreszeitraum ein Umsatzplus von 2,9 % verbuchte, im Vergleich zu stagnierenden Umsätzen 2016.

PLMA-Nachrichten 
Konferenz am Runden Tisch vom 21. bis 22. Februar in Dublin

Die Termine für PLMAs jährliche Konferenz am Runden Tisch 2018 stehen fest. Sie findet vom 21. bis 22. Februar in Dublin statt. Im Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz am Runden Tisch stehen die Herausforderungen und Chancen, die sich für Hersteller und Händler in einer Branche ergeben, die sich schneller denn je verändert.

Darüber hinaus wagt die Konferenz einen Blick in die Zukunft. Siri, Alexa und andere digitale Sprachassistenten werden immer beliebter. Sie könnten im Handelsmarken-Marketing eine bahnbrechende Rolle spielen. Außerdem präsentiert die PLMA eine spezielle Veranstaltung zum Verpackungsdesign.

Das Gastgeberhotel für die Konferenz ist das InterContinental Dublin. Wenn Sie sich anmelden möchten oder weitere Informationen über die Konferenz am Runden Tisch wünschen, kontaktieren Sie bitte PLMA International Council, per Telefon +31 20 5753032 oder per E-Mail unter conferences@plma.nl.

Veranstaltungen 
28.-30. November 2017

Shanghai Handelsmarken-Fachmesse
Shanghai, China

21.-22. Februar 2018

Konferenz am Runden Tisch
Dublin, Irland