PLMA E-Scanner – Juni 2020

Juni, 2020
PLMA-Präsident Brian Sharoff im Alter von 77 Jahren verstorben

Brian Sharoff, Präsident der Private Label Manufacturers Association, des größten Fachverbands im Handelsmarkensektor, ist nach kurzer Krankheit verstorben. Er wurde 77 Jahre alt.

Brian Sharoff wurde 1981 kurz nach der Gründung zum Präsidenten der PLMA ernannt. Während seiner Amtszeit wuchs die Zahl der Mitglieder von anfänglich 200 Herstellern, Zulieferern und Maklern in den USA auf mehr als 4.400 Unternehmen weltweit an. 

Die internationale Fachmesse „Welt der Handelsmarken“ der PLMA, die jedes Jahr im Mai im RAI Exhibition Centre in Amsterdam stattfindet, ist auf mehr als 4.500 Stände angewachsen und vertritt heute Hersteller aus fast 75 Ländern. Diese Messe zieht Käufer aus ganz Europa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten an.

Auf der alljährlich im November im Rosemont Convention Center in Chicago stattfindenden PLMA-Fachmesse versammelt sich die größte Zahl von Einkäufern von Handelsmarken in den USA. Hier kommen Führungskräfte von Supermärkten, Drogerieketten, Hypermärkten und anderen Einzelhändlern zusammen, um Hersteller und neue Produkte zu finden.

Zusätzlich zu den Fachmessen bietet die PLMA das ganze Jahr über Konferenzen und Fortbildungsprogramme an. Außerdem veröffentlicht sie exklusive Forschungsergebnisse und Studien. In den letzten Jahren produzierte der Verband zudem eine Vielzahl von Videoprogrammen, um Industrie und Verbraucher mit Nachrichten und Informationen zu versorgen.

Einzelhändler verteidigen Einkaufsbündnisse

Europäische Einzelhändler wehren sich gegen Vorwürfe, Einkaufsbündnisse würden dem Wettbewerb schaden und wären den Herstellern gegenüber unfair. Der Verband EuroCommerce, der den Einzel- und Großhandel vertritt, brachte nach einer EU-Untersuchung unlauterer Handelspraktiken seine Unterstützung für Bündnisse zum Ausdruck.

Christian Verschueren, Generaldirektor von EuroCommerce, gab zu bedenken, dass Einzelhändler mit niedrigen Margen arbeiten. Die großen internationalen Hersteller seien weltweit tätig, erzielten hohe Gewinnspannen und hätten die Macht, Konditionen in der Lieferkette festzulegen. Die meisten Einzelhändler seien nur in einer begrenzten Zahl von Ländern in Europa präsent und gingen Bündnisse ein, um eine vernünftige Basis für Verhandlungen mit diesen großen Herstellern schaffen und den Vorteil an den Kunden weitergeben zu können, so Verschueren.

Gewinne für Handelsmarken in Frankreich

Neue Daten von Nielsen belegen, dass sich das Umsatzwachstum von Handelsmarken in Frankreich während der Pandemie stark beschleunigt hat. Demnach konnten Einzelhandelsmarken ihren Umsatz in einem bestimmten Zeitraum um 16 % steigern, Industriemarken hingegen nur um 6 %. In den Ergebnissen von Nielsen sind die Umsätze in allen Vertriebskanälen und den meisten Marktbereichen erfasst. 

Nach Ansicht von Emmanuel Fournet, Director of Insight & Analytics bei Nielsen, ist dieser Zuwachs für Handelsmarken ein Zeichen dafür, dass Verbraucher beginnen, ihre Ausgaben zu kontrollieren. Außerdem zeige er, dass die großen Marken den Einzelhandelsmarken gewichen sind.

IRI beobachtet Steigerungen für Handelsmarken

Laut Marktforschungsinstitut IRI steigt der Umsatz von Handelsmarken während der Pandemie, insbesondere in Frankreich und Italien. In anderen Ländern ist eine leichte Wachstumsbeschleunigung zu verzeichnen. Demnach sind die Umsätze in den Kategorien Tiefkühlkost und Alkohol nach wie vor hoch, während das Wachstum in den Nonfood-Kategorien moderater ausfällt als in den letzten Wochen. Der Bereich E-Commerce wächst weiterhin stark im Vergleich zum letzten Jahr, insbesondere in Italien, Frankreich und Spanien. In manchen Ländern blieb das Kaufverhalten auch nach beginnender Lockerung der Ausgangsbeschränkungen weitgehend unverändert.

Schwarz macht Amazon Konkurrenz

Die Schwarz-Gruppe, die Muttergesellschaft von Lidl, will mit einem eigenen Cloud-Computing-Service für andere Handelsunternehmen eine Alternative zu Amazon bieten. Nach einem Bericht der Lebensmittel Zeitung hat Schwarz ein Softwarehaus übernommen, das 70 Cloud-Spezialisten ins Haus bringt. Damit sichert sich Schwarz weitere digitale Ressourcen für den Ausbau des Cloud-Geschäfts.

Unterdessen baut Amazon seinen Lebensmittel-Lieferservice Prime Now durch Partnerschaften mit Morrisons in Großbritannien und DIA in Spanien aus. Der Service soll in den zehn größten britischen Städten verfügbar sein. In Spanien wird er in Madrid, Valencia und Barcelona angeboten.

Lidl stellt Einkauf um

Lidl baut seine Einkauforganisation um. Nach einem Bericht der LZ weisen die Änderungen darauf hin, dass der Discounter wieder preisaggressiver werden und sich damit auf die Rezession vorbereiten will, die sich als Folge der Pandemie abzeichnet. Die Führung der Einkaufsorganisation in dem mit Abstand größten Lidl-Land Deutschland übernimmt Dominika Kubisch. Sie war bislang als Geschäftsleiterin im internationalen Einkauf der Lidl Stiftung tätig.

Jan Bock, der bisher den Einkauf in Deutschland verantwortete und in den letzten Jahren für den Ausbau des Sortiments zuständig war, wechselt in den internationalen Einkauf und übernimmt die Betreuung für mehrere Länder: die Niederlande, Belgien, Irland, die Tschechische Republik und die Slowakei. Die übrigen Lidl-Länder sind auf die Bereichsvorstände Marco Giudici und Adam Miszczyszyn sowie auf den Geschäftsführer Mark Hache verteilt.

Walmart will Gespräche mit Asda wieder aufnehmen

Walmart wird voraussichtlich die Gespräche über den Verkauf einer größeren Beteiligung an Asda wieder aufnehmen, wenn die Talsohle der Coronavirus-Krise durchschritten ist. Nach Ansicht von Asda-Chef Roger Burnley bestehen gute Aussichten, die Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen, allerdings nur, wenn Walmart es für richtig hält.

Es spräche nichts dagegen, dass dies zum gegebenen Zeitpunkt wieder auf den Tisch kommen könnte, wenn sich alle auf die neue Normalität eingestellt hätten, so Burnley. Er glaube nicht, dass das Interesse geschwunden sei.

Carrefour verbucht Umsatzsteigerungen

Carrefour verbuchte im ersten Quartal in allen Ländern ein starkes Umsatzwachstum. 

Das flächenbereinigte Wachstum betrug in Frankreich 4,3 %, im Rest von Europa 6,1 %, in Lateinamerika 17,1 % und in Taiwan 6,0 %. Einen deutlichen Gegensatz gab es zwischen Lebensmitteln (+9,9 %) und Nonfood-Produkten (-3,5 %). Der E-Commerce-Umsatz bei Lebensmitteln stieg um 45 %, wobei Bioprodukte 30 % zulegten.

In Frankreich waren in der Hauptsache Supermärkte (+8,1 %) und Proximity-Geschäfte (+11,0 %) für das Wachstum verantwortlich; Hypermärkte verbuchten nur ein geringfügiges Wachstum von 0,9 %. In Belgien wurden Quartalsumsätze von 1,053 Mrd. Euro erzielt, ein flächenbereinigtes Wachstum von 6,2 %. Auch in anderen europäischen Ländern stieg der flächenbereinigte Umsatz: +2,5 % in Italien, +6,6 % in Spanien, +8,8 % in Polen und +9,7 % in Rumänien.

Online-Shopping-Umsatz in Großbritannien erreicht 13 %

Laut Nielsen beträgt der Anteil des Online-Lebensmittelumsatzes an den Gesamtausgaben für Lebensmittel in Großbritannien 13 %. Das ist fast doppelt so viel wie im selben Zeitraum des Vorjahres (7 %) und markiert einen neuen Rekord für den Online-Lebensmittelhandel auf dem britischen Markt, so Nielsen.

Demnach haben 7,9 Millionen britische Haushalte im einem Zeitraum von vier Wochen eine Online-Lebensmittelbestellung aufgegeben. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch 4,8 Millionen. Von diesen Haushalten haben 1,1 Millionen zum ersten Mal Online-Lebensmittelplattformen genutzt. Darüber hinaus zeigten die Daten von Nielsen, dass die Zahl der Ladenbesuche in den letzten vier Wochen um 24 % sank; die Ausgaben pro Einkauf waren jedoch höher als zur Weihnachtszeit. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres stiegen sie um 45 %.

Russland will Preiskontrollen

Die russische Regierung plant, die Handelsspanne für bestimmte Produkte, die sie als „gesellschaftlich relevant“ bezeichnet, zu begrenzen. Zu diesen Produkten gehören eine Reihe von Grundnahrungsmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs. Laut Gesetzesvorlage ist vorgesehen, die Gewinnspanne für diese Produkte auf 20 % vom Großhandelspreis bzw. 50 % vom Abgabepreis des Herstellers zu begrenzen. 

Die bestehende Gesetzgebung erlaubt der russischen Anti-Monopol-Behörde FAS bislang lediglich, ein regionales Preislimit für Grundnahrungsmittel festzulegen, falls für diese Artikel innerhalb eines Monats Preiserhöhungen von mehr als 30 % festgestellt wurden. 

In einem ersten Schritt erhöhte das Parlament die Zahl der reglementierten Produktgruppen von 24 auf knapp unter 50. Außer Lebensmitteln sind auch Desinfektions- und Reinigungsmittel, Artikel der persönlichen Hygiene sowie Babyprodukte und Tierbedarf enthalten.

In den Läden 

Laut Kantar liegt der jährliche Handelsmarkenumsatz von Tesco in Großbritannien bei rund 18 Mrd. GBP. Das entspricht fast einem Viertel des Markts.

Aldis Anteil am britischen Handelsmarkenmarkt beträgt inzwischen 12,2 %, so Kantar. Im letzten Jahr verbuchte Aldi einen Wertzuwachs von 8 %. Mit der Premium-Marke „Specially Selected“ erzielt der Discounter einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. GBP.

Casino will bis zum nächsten Jahr in Frankreich 300 Convenience-Läden eröffnen.

Esselunga beabsichtigt, weitere Läden des Proximity-Formats La Esse zu eröffnen.

Der Einzelhandelsumsatz des Online-Händlers Ocado ist im zweiten Quartal um 40 % im Jahresvergleich in die Höhe geschossen.

Der spanische Einzelhändler Caprabo will in Barcelona ein 24.600 Quadratmeter großes Distributionszentrum für Frischwaren eröffnen. Die Einrichtung soll 300 Supermärkte im Land versorgen. 

Die spanische Aufsichtsbehörde genehmigte den Plan von Eroski, zehn 10 Simply-Supermärkte in der Region Bizkaya zu übernehmen. Eroski beabsichtigt, diese Geschäfte auf das Contigo-Format umzustellen. 

Jüngsten Berichten zufolge will Lidl Kunden in Polen den Online-Einkauf von Lebensmitteln ermöglichen. 

Bei Despar Italia ist der Umsatz von Handelsmarkenprodukten im Finanzjahr 2019 um 5,7 % auf 354 Millionen Euro gestiegen. Zudem erweitert der Händler seine Marke „Despar Enjoy“ um 16 Artikel.

Aldi bringt in den Niederlanden gesunde Produkte der Marke „Disney Kitchen“ auf den Markt, deren Verpackungen Disney-Figuren zieren.

Waitrose führt in Großbritannien die Reihe „Essentials“ neu ein, die vor knapp zehn Jahren lanciert wurde. Sie wird um mehr als 200 Produkte in Kategorien wie Hautpflege, Joghurt und tiefgefrorene Zutaten ergänzt.

Lidl UK nimmt zehn Ginsorten ins Sortiment auf, darunter mit den Aromen Seetang und Meeresluft.

Mit „Fire Pit“ brachte Tesco acht marinierte Frischfleischprodukte und Beilagen für den Grill auf den Markt, inspiriert vom US-amerikanischen Pitmaster-Trend.

Spar Österreich bietet jetzt fünf seiner Getränke in Mehrweg-Glasflaschen an.

Der niederländische Händler Plus erweiterte sein Sortiment um frische Fertigmahlzeiten. Das Angebot umfasst vier Segmente: Neben „World Kitchen“-Mahlzeiten werden auch Gerichte der holländischen, orientalischen und italienischen Küche angeboten.

Der Express-Lieferservice von Perekrestok ist jetzt in ganz Moskau verfügbar.

Kaufland verkauft aus Insekten hergestellte Produkte in Kroatien. 

Der polnische Händler Żabka lancierte eine Reihe mit gesunden, funktionellen Getränken der Marke „S!“.

Asda bringt diverse Backmischungen der Marke „Arise Bakery“ auf den Markt.

Lidl Finnland bietet eine neue Premium-Marke mit Haustiernahrung namens „Pure Taste“ an.

Marktforschung 
Promotions sind zurück

In britischen Supermärkten nehmen die Verkaufsförderungsaktionen zu, seit sich die Bestände wieder dem Normalniveau nähern. Das Marktforschungsinstitut Edge by Ascential kommentiert: „Mit der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in Großbritannien sind auch die Bedenken britischer Verbraucher abgeklungen, die sich nun weniger um die Bevorratung mit Lebensmitteln sorgen.“ Dies hätte vielen britischen Supermärkten die Zuversicht gegeben, wieder mehr Verkaufsförderung einzusetzen.

Demnach hat der Online-Händler Ocado seine Verkaufsförderungsmaßnahmen in jüngster Zeit um 76 % gesteigert. Auch bei Waitrose (+44 %) und Tesco (+ 15%) kam es zu Steigerungen. Darüber hinaus beobachtete Edge by Ascential die Warenbestände in Supermärkten, die sich bei Morrisons, Sainsbury’s, Tesco und Waitrose erhöhten, wobei Morrisons mit 3,6 % den größten Anstieg der Produktzahl verzeichnete.

PLMA-Nachrichten 
„Welt der Handelsmarken“ 2020 der PLMA findet vom 2.-3. Dezember statt

In Anbetracht von staatlichen Beschränkungen, denen zufolge Großveranstaltungen wie Messen während der Coronavirus-Krise nicht stattfinden dürfen, wird die „Welt der Handelsmarken“ 2020 der PLMA verschoben. Die ursprünglich für den 26. und 27. Mai geplante Messe wird stattdessen am 2. und 3. Dezember (Mittwoch und Donnerstag) im RAI Exhibition Centre in Amsterdam durchgeführt.

„Angesichts all der staatlichen Beschränkungen, Ausgangssperren, Unsicherheiten und persönlichen Bedenken war eine Verschiebung unvermeidlich. Das Team der PLMA und alle beteiligten Partner werden mit größtem Enthusiasmus und höchster Konzentration darangehen, die Messe zu den neuen Terminen im Dezember vorzubereiten“, ließ der Verband verlauten.

Veranstaltungen 
15.-17. November

PLMAs US-Handelsmarken-Fachmesse
Chicago

2.-3. Dezember

PLMAs „Welt der Handelsmarken“ 2020
Amsterdam